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Eine Kooperation von piano.voce.ensemble & 

 

 

 

Schläft ein Lied in allen Dingen,

Die da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu singen,

Triffst Du nur das Zauberwort.

 

Joseph von Eichendorffs Vierzeiler »Wünschelrute« beschreibt in unnachahmlicher Eindringlichkeit die tiefe Sinnhaftigkeit, die Klang und Wort miteinander verbindet und zu weiten Erfahrungshorizonten wachsen lässt. Genau vierundzwanzig Worte, deren knappe Genialität gut als Motto des zweiten Liedfestivals Kassel dienen kann.

Das Lied – in England unübersetzbar The Lied genannt – ist eine Entdeckung, ja vielleicht sogar eher eine Erfindung der deutschen Klassik und Romantik. Der Begriff beschreibt mehr als die prosodische Verbindung von Text und Melodie, derer wir schon mit dem Beginn von Sprache überhaupt versichert sein können und die uns in kunstvollen Beispielen etwa aus Renaissance und Barock gegenübertritt. Lied – damit ist seit etwa 1810 etwas grundsätzlich anderes gemeint: Mit einem Mal ist ein Gedicht nicht einfach mehr Gegenstand der Vertonung, nicht mehr nur Inspiration einer umschriebenen Klanginsel oder Folie einer emotionalen Schwingung.

Das Lied ergreift Besitz vom Text in emphatischer Endgültigkeit und alternativloser Sinngebung, es schreibt den Text weiter und verwandelt ihn sich an – bis zur untrennbaren Amalgamierung, die dem Zuhörer unauflöslich erscheinen muss. Dieser hochkreative Prozess der Einverleibung von Lyrik durch Musik hat eine große Zahl genialer Werke hervorgebracht – wenn auch durchaus nicht immer nur zur Freude der Dichter. Jedoch: Vieles, was in unserem literarischen Gedächtnis verankert ist, wäre wohl ohne Liedvertonungen von Schubert, Schumann oder Brahms kaum lebendig geblieben. Welche Gedichte würden wir kennen von Friedrich Rückert – ohne Gustav Mahler? Was von Mörike ohne Hugo Wolf? Ja, würde wirklich noch jemand Goethe folgen wollen in das Land, wo die Zitronen blüh’n, ohne die kongenialen Vertonungen von Schubert und Wolff? Und dann die vielen Poeten, deren Nachruhm verebbte, deren Gedichte vielleicht noch in Anthologien ein blasses Nachleben führen: Chamisso, Freiligrath, Seidl, Müller, Tieck, Uhland, Groth, ja selbst von Platen, Hebbel und Lenau. Ihre Gedichte erwachen durch ein metaphysisches Nachleben im Lied immer wieder zur blaublumigen Schönheit einer neuen Existenz. Nicht nur hierzulande, sondern weltweit.

Dem wachsenden Interesse an der lange Jahre vernachlässigten Gattung Lied wollen wir mit dem zweiten Liedfestival Kassel Rechnung tragen. Schon das erste Festival war im letzten Jahr ein voller Erfolg. Die künstlerische Qualität des piano.voce.ensembles aus Kassel, die abwechslungsreichen Programme in gemischten Besetzungen und die bedachte Auswahl der Lieder überzeugten Publikum und Kritik in hohem Maße, so dass von vielen Seiten der Wusch nach einer baldigen Wiederholung laut wurde.

In diesem Jahr nun eröffnet der junge Bariton André Schuen die Woche mit Schumanns Liederkreis Opus 24. Schuen stammt aus Südtirol, konzertiert als Lied- und Oratoriensänger auf internationalen Podien, etwa beim Heidelberger Frühling, und erhielt 2016 den ECHO-Klassik. Das piano.voce.ensemble, erweitert um weitere Musiker, gestaltet alle weiteren Konzerte und gibt zudem jungen Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit, bei einem Workshop ihre künstlerischen Möglichkeiten zu erproben und zu verbessern. Ein literarisch-musikalischer Abend widmet sich Eduard Mörike und ein weiterer Abend russischer Liedkunst in der außer-gewöhnlichen Kombination von Kammermusik und Lied.

 

Veranstalter: Konzertverein Kassel in Kooperation mit dem piano.voce.ensemble